GOOD NIGHT STORIES FOR REBEL GIRLS – 100 LEBENSGESCHICHTEN SCHWARZER FRAUEN

Die Buchreihe „Good Night Stories For Rebel Girls“ geht mit „100 Lebensgeschichten Schwarzer Frauen“ in die vierte Runde. Auch in dieser Ausgabe werden alle rebellischen Mädchen dazu ermutigt an ihre Träume zu glauben, kreativ zu sein und selbstbewusst durch das Leben zu gehen.

In diesem Buch treffen verschiedenste Frauen mit ganz individuellen Fähigkeiten, Interessen und Hintergründen aufeinander und werden mit Text und Bild auf jeweils einer Doppelseite porträtiert. In den Kurzgeschichten erfahren die Lesenden welche sozialen und persönlichen Herausforderungen die Frauen in ihrem Leben meistern mussten und wie sie mit Mut und Leidenschaft ihren ganz eigenen Beitrag zur Weiterentwicklung der Welt geleistet haben. Dabei wird deutlich, dass es Ihnen nicht vorrangig darum ging, selber ein ausgezeichnetes Leben zu führen, sondern andere Menschen zu unterstützen und ein sicheres Leben zu ermöglichen.  

Egal ob Erfinderinnen, Künstlerinnen, Führungspersönlichkeiten oder Wettkämpferinnen, in den meisten Fällen wird schon zu Beginn der Geschichte deutlich, dass die Voraussetzungen und Lebensumstände der Protagonistinnen schwierig sind. Denn zusätzlich zu der Benachteiligung, mit welcher Frauen leider auch noch heute oft tagtäglich leben müssen, erfährt ein Großteil der vorgestellten Frauen auch Diskriminierung aufgrund ihrer Herkunft, Kultur und/oder Hautfarbe.

Dieses Buch zeigt die Stärke der selten repräsentierten und meist im Hintergrund stehenden schwarzen Frauen und gibt ihnen Raum, wodurch die Lesenden intuitiv dazu animiert werden, diesen mehr Anerkennung zu schenken.

Elena Favilli und Francesca Cavallo, die das Konzept der als „Good Night Stories“ verpackten Kurzbiografien in die Welt riefen, haben das Zepter für dieses vom Publikum gewünschte Buch sämtlich Lilly Workneh überlassen, die preisgekrönte Journalistin und unter anderem Chefredakteurin von der Plattform „Blavity News“ ist, die das Wissen über Schwarze und ihre Themen erweitern will. Die kreativen Illustrationen wurden von über 60 nicht binären und Schwarzen Frauen gestaltet.

Aus dem Englischen übersetzt wurde das Buch von Marion Kraft.

Podcast: https://www.rebelgirls.com/podcast

Hanser-Verlag, ISBN 978-3-446-27133-3

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PH

Globale Ungleichheit: Über Zusammenhänge von Kolonialismus, Arbeitsverhältnissen und Naturverbrauch

Von Karin Fischer, Margarete Grandner (Hg.)

Deutschland galt als das Land der Dichter und Denker, doch was verstanden diese Dichter von der karibischen Zeitlosigkeit? Nichts, denn die Einteilung in die vier verschiedenen Jahreszeiten ist doch unbestritten, lokal und sowieso schon verinnerlicht.

Ähnlich versteht sich Europa auch als Zentrum der Moderne, als Ort der Aufklärung und Rationalität. Jedoch werden die dunklen Kapitel der Sklaverei und Kolonialherrschaft ausgeblendet, als ob diese nicht ein fester Bestandteil der Machtgewinnung gewesen wären.

Die heutige Welt mag verflochten sein, doch Gleichberechtigung und Gerechtigkeit sucht man vergebens. Das Buch „Globale Ungleichheit – Über Zusammenhänge von Kolonialismus, Arbeitsverhältnissen und Naturverbrauch“ von Karin Fischer und Margarete Grandner bietet viele verschiedene Perspektiven zur Problematik der globalen Ungleichheit.  Dabei existieren viele Perspektiven, historische Vorgänge, sprach-analytische Feinheiten und weitere wichtige Merkmale, die es zu erläutern gilt.

Die heutigen Machtverhältnisse in der Welt werden historisch analysiert, mit Beispielen belegt und mit Ansätzen und Theorien erweitert. Das Hauptziel dabei ist es die Ungleichheit in all ihren Aspekten zu verstehen, sie lokal und global zu ermitteln,  und letztlich herauszufinden wie und womit diese bekämpft werden kann.

Zuletzt muss erwähnt werden, dass eine kurze Beschreibung der Ideenfülle dieses Buches nicht gerecht werden kann. Nicht nur Menschen mit einem Interesse an der Problematik der Ungleichheit finden hier etwas Relevantes vor. Durch die Breite an Themen, Beispielen und Konzepten sollte es für jeden möglich sein, sich einen Interessensschwerpunkt zu legen: Kolonialismus, ob Karibik oder Afrika, Globale Arbeit und Machtverhältnisse, Menschliche Entwicklung, als konkrete Beispiele.

 

Mandelbaum Verlag, ISBN 978385476-941-5

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DF

Luiz Inácio Lula da Silva – eine politische Biografie

von Andreas Nöthen

Wie der Titel schon andeutet befasst sich Andreas Nöthens Buch mit dem brasilianischen Politiker Luiz Inácio Lula da Silva, oder verkürzt Lula.

Dieser gilt als Kümmerer und inzwischen Landesvater Brasiliens, der stets ruhig, verständnisvoll und gerecht agiert. Er benutzt eine einfache Sprache, die besonders bei den zuvor politisch ignorierten ärmeren Schichten wirkt. Bemerkenswert ist, dass er das zur Sprache gebrachte auch umsetzt – viele Projekte wurden ins Leben gerufen, die es den Minderbemittelten ermöglicht haben, den Aufstieg in die Mittelschicht zu schaffen. Lula und die Arbeiterpartei PT, mit deren Werdegang er fest verschmolzen ist, trugen maßgebend zur Demokratisierung und Bildung dieses Landes bei.

Wie kommt es dann, dass dieser Verfechter der Ungleichheit eingesperrt und seine Partei entmachtet wird? Frei vom Laster und Korruption, so stellt sich heraus, sind weder die Parteimitglieder noch Lula selbst. Mittlerweile wieder auf freiem Fuß, tritt Lula wieder zur Wahl an.

Doch auch wenn Lula gewinnt, so muss er aus Bolsonaros Trümmerhaufen wieder etwas aufbauen. Kann er das schaffen, oder wird es wieder am Geld scheitern? Gab es überhaupt Korruption unter Lula – und überhaupt existiert eine „Gute Korruption“? Wer diese Fragen beantwortet haben möchte, liest weiter im Buch.

Von der Militärdiktatur zu den ersten demokratischen Versuchen bis hin zu den jetzigen Problemen werden viele interessante Begebenheiten detailliert beleuchtet. Sachlich, logisch und kurz gefasst dient dieses Buch als guten Einblick in die politische Landschaft Brasiliens.

 

Mandelbaum Verlag, ISBN 978-3-85476-947-7

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DF

Bulldozer Bolsonaro - wie ein Populist Brasilien ruiniert

von Andreas Nöthen

Breit gebaut, braun gebräunt durch die brasilianische Sonne – auch als Jair „Bulldozer“ Bolsonaro, so vom Autor Andreas Nöthen benannt so auch in der Welt bekannt.

Handelt es sich hier um nur einen weiteren populistischen Nichtsnutz, der die Entwicklung eines riesigen Landes auf Grund seiner subjektiven Sensibilitäten aushebelt? Oder ist Bolsonaro doch ein Retter des Volkes, ein ehrwürdiger Vertreter des Mottos „Brasilien über alles“ und Bringer des Wohlstands?

Sachlich geschrieben, kurz und prägnant, mit ausreichend Kontext für die Einordnung in Brasiliens Geschichte. Denn um diese geht es letztendlich in Andreas Nöthens Buch, mit einer ausführlichen Auseinandersetzung zum Werdegang, Machtergreifung und Machtverlust von Jair Messias Bolsonaro, dem brasilianischen Premierminister ohne Gleichen.

Ende 2018 kam dieser vorher wenig erfolgreiche „General“ plötzlich an das höchste Amt in Brasilien. Seine Politik ist einfach: Die Probleme leugnen, die „vermeintlich“ Schuldigen finden, ihnen drohen und sie beleidigen. Diskutieren und sich profund mit Problemen auseinandersetzen, das will dieser tief-gläubige, familienpolitikfördernde Verächter jeglicher Andersdenkenden nicht.

Und als Folge brennt der Amazonas, denn der Progress der Wirtschaft ist ein wichtigeres Ziel als nutzloser Unsinn wie Nachhaltigkeit, so Bolsonaros Auffassung. Doch Brasilien ist lediglich ein großer Rohstofflieferant, gefangen in Handelsbeziehungen zwischen den Großmächten China und den USA.  Wie wird es weitergehen und wie kommt man zum Besseren? Die Antwort dazu findet ihr hier nicht. Doch wer an einem Crashkurs in brasilianischer Entwicklung oder einem Handbuch für populistische Politik interessiert ist, ist mit diesem Buch gut beraten.

 

Ch. Links Verlag, ISBN 978-3-96289-096-4

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DF

Good Night Stories For Rebel Girls

von Elena Favilli und Francesca Cavallo

Good Night Stories For Rebel Girls vermittelt den Leserinnen eine klare Aussage: „Träumt größer, zielt höher, kämpft entschlossener“ und lasst euch nicht beirren!

In Form von kurzen Geschichten präsentieren die beiden Autorinnen Elena Favilli und Francesca Cavallo 100 Frauen, die sich mit außergewöhnlicher Stärke, viel Kraft und Mut den Hindernissen ihres Lebens stellen und durch ihre Leidenschaft und Neugier die Welt verändern.

Dabei geht es um die unterschiedlichsten Frauen: Von Wissenschaftlerinnen, die fasziniert von der Welt, die sie umgibt, neue Entdeckungen machen und Zusammenhänge herausfinden, über Herrscherinnen, die sich schon vor vielen, vielen Jahren gegen ihre männlichen Konkurrenten durchsetzen und mehr Rechte für ihr Volk erlangen konnten, bis hin zu Sportlerinnen die sich trotz Skepsis der Gesellschaft zur Weltmeisterin hinaufkämpfen, ist alles dabei. Auch Alter, ethnische Herkunft und Lebensumstände der Protagonistinnen variieren von Geschichte zu Geschichte.

Nicht alle Frauen sind weltweit bekannt, manche sogar verkannt und verdienen größere Aufmerksamkeit: Neben Berühmtheiten wie Coco Chanel und Michelle Obama liest man auch von Amna Al Haddad und Mary Anning, deren Geschichten nicht minder spannend und inspirierend sind.

Jeder „Rebellin“ ist eine Doppelseite gewidmet, auf der nicht nur über den Lebensweg und die Erfolge erzählt wird, sondern auch eine Illustration beigefügt ist. Diese sind von über 60 verschiedenen Künstlerinnen aus aller Welt gestaltet und sehr vielfältig und abwechslungsreich. Das Buch ist in allgemein verständlicher Sprache verfasst, und es wird auf Fachbegriffe verzichtet, sodass auch junge Leser*innen Freude am Lesen haben und es – wie der Titel bereits verspricht – die perfekte „Gute-Nacht“-Lektüre ist.

„Good Night Stories For Rebel Girls“ war nur ein Anfang der „Rebel Girls“, einer Organisation, die sich für die Rechte von Frauen weltweit einsetzt. Im Laufe der letzten Jahre sind viele weitere Bücher, gefüllt mit spannenden Geschichten aus dem „Rebel Girls“-Universum entstanden.

Zusammen mit der wachsenden Kampagne werden immer mehr Frauen und Mädchen ermutigt, für ihre Rechte einzustehen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken.

Aus dem Englischen übersetzt wurde das Buch von Birgitt Kollmann

Podcast: https://www.rebelgirls.com/podcast

Hanser-Verlag, 2017, ISBN: 978-3-446-25690-3

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PH

WOZU RASSISMUS?

von Aladin El-Mafaalani

In Aladin El-Mafaalanis neuestem Buch „Wozu Rassismus?“ wird aufgezeigt, dass Rassismus in unserer heutigen Gesellschaft immer noch stark verankert ist.

El-Mafaalani beginnt mit der Erklärung der Rassismus-Begriffe und der Unterscheidung zu Diskriminierungen. Er zeigt auf, von wem Rassismus ausgeht und wie Rassismen Lebensrealitäten zerstören können.

Die große Frage dabei ist, woher diese Rassismen kommen. Hierfür muss weit in der Geschichte zurückgegangen werden. Rassismen sind verbunden mit Herrschaftsstrukturen, in denen Menschengruppen auf Grund von äußerlichen Zuschreibungen benachteiligt werden. Diese Herrschaftsstrukturen gab es beispielsweise schon im antiken Griechenland. Verstärkt wurden diese während der Kolonialzeit und durch die Rassentheorien und -lehren von einflussreichen Philosophen (Immanuel Kant, Hegel u.a.). Diese Theorien und Lehren wirken bis heute in unsere Strukturen, Sprache und Wissenschaften, genauso wie sie Institutionen mitbestimmen und ordnen. Die Reproduktion alter Mechanismen hilft Machtstrukturen aufrechtzuerhalten, was es schwieriger macht, ihnen zu entfliehen.

Demnach strukturell begründet sind auch Bildungseinrichtungen betroffen. Viele Lehrmaterialien beinhalten bis heute rassistische Bilder, die oft nicht kritisch im Unterricht betrachtet werden, da das Lehrpersonal nur begrenzt Möglichkeit hat, sich im Bereich Rassismus-Kritik auszubilden.

„Wozu Rassismus?“ deckt das weitverbreitete Thema auf und vermag die einzelnen Ebenen und Strukturen aufbrechen. Es ist ein Buch, das jede*r einmal gelesen haben muss, denn Rassismus ist kein Problem für negativ betroffene, es betrifft vielmehr alle, die ganze Gesellschaft – von den einen geht es aus (intentioniert und nicht-intentioniert), und die anderen müssen mit den Folgen (physisch und psychisch) leben. Ein kompaktes Buch, das alle wesentlichen Informationen enthält und Rassismus anhand aktueller Beispiele darstellt.  

KiWi-Taschenbuch Verlag, 2021, 192, ISBN: 978-3-462-00223-2

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JN

Der Gesang der Berge

von Nguyễn Phan Quế Mai

Der Gesang der Berge: So poetisch der Titel klingt, so dramatisch ist der Inhalt dieses Buches, dessen zeitlicher Bogen von den 30er Jahren bis in die 70er Jahre reicht und damit die Zeit dreier Kriege in Vietnam einschließt: den II. WK, den Indochina Krieg und den sogenannten Vietnam-Krieg.

Der Leser spürt in diesem Buch mit jedem Satz, mit jedem Wort, wie sich Krieg anfühlt. Wer dachte, dass er alles über Vietnam und seine Kriege weiß, merkt hier vermutlich, dass es eine menschliche Dimension gibt, die man bei der Betrachtung des Landes oft ausklammert.

Das Leid, das den Menschen in Vietnam angetan wurde, von Menschen feindlicher Nationen, aber auch von Menschen des eigenen Volkes mit anderen politischen Überzeugungen, bekommt in diesem Buch einen Namen. Als Leser meint man fast, in die Seele der handelnden Personen einzudringen, die meisten von ihnen einer einzigen Familie angehörig, der Familie Trẩn. Am Beispiel dieser Familie wird die Geschichte eines ganzen Landes nachgezeichnet; die einzelnen Familienmitglieder handeln vor dem Hintergrund der historischen Ereignisse und machen diese für den Leser erlebbar.

Man erhält ein ziemlich umfassendes Bild von einem kriegsgebeutelten Land, angefangen mit den Wirren des II. Weltkrieges, die im letzten Kriegsjahr zu einer großen Hungersnot im Land führten, bis hin zum wiedervereinigten Vietnam (ab 1976), in dem sich Menschen begegneten, die sich vorher bekämpft hatten, auch innerhalb der eigenen Familie. Während der großen Hungersnot 1944/45 flohen die Menschen aus ihren heimatlichen Gebieten, sie kämpften um das nackte Überleben, doch haben es mehr als 1 Million Menschen nicht überlebt. Die Autorin schafft es, diese Kämpfe und seelischen Nöte eindrücklich zu beschreiben, indem sie den Leser an den Gesprächen z.B. der Protagonistin mit der Enkelin teilhaben lässt. Man spürt die wachsende innere Bande zwischen diesen beiden willensstarken Menschen, die das ganze Buch durchzieht.

Empathisch und mit großer Menschenkenntnis lässt die 1993 in Vietnam geborene Schriftstellerin Nguyễn Phan Quế Mai den Leser die einzelnen Schicksale dieser Familie über die Kriege hinweg begleiten. Realistisch und detailgetreu beschreibt sie die schlimmsten Gräueltaten, die Menschen einander antun können, und gleichzeitig hebt sie die freundlichen Gesten, die nachbarschaftliche Fürsorge, die gegenseitige Hilfe hervor, die von Friedensuche und Harmonie zeugen, und die Stärke familiärer Verbundenheit. Sanftheit und der Wunsch nach familiärer Harmonie spricht aus den Worten und Taten jedes Familienmitgliedes, und gleichzeitig wird die Zerrissenheit deutlich, die den einzelnen Menschen vor den zeithistorischen Hintergründen innewohnt.

Trotz all dieser Dramatik gelingt es der Autorin, die ganze Geschichte in eine sinnlich bildliche, immer wieder blumige Sprache zu betten, die an das Vietnamesische angelehnt ist.  Selbst dieser aus dem Englischen ins Deutsche übertragene Text gibt einen überzeugenden Eindruck des besonderen Duktus der vietnamesischen Sprache wieder - angefangen von den sinnhaften Personennamen (Guave u.a.) bis hin zu sanften Beschreibungen, die eine Person einer anderen zuteilwerden lässt.

Der Gesang der Berge ist ein beeindruckendes Familienepos und gehört zu den besten Büchern über dieses faszinierende Land.

Suhrkamp Verlag, 2021, 429, ISBN: 978-3-458-17940-5

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MM

Paulo Freire - Werk, Wirkung und Aktualität

von Kira Funke

Am Donnerstag, dem 18.11.2021 ging unsere monatliche Online-Buchvorstellung in die nächste Runde. Der Abend fand in Kooperation mit dem  EPiZ Reutlingen und der Giovane Elber Stiftung mit ihrem Verein zur Förderung brasilianischer Straßenkinder e.V. statt, welche  sich beide im Bereich Bildung engagieren, statt. Vorgestellt wurde das Buch „Paulo Freire – Werk, Wirkung und Aktualität“ von Prof. Dr. Kira Funke über den brasilianischen Pädagogen Paulo Freire, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Funke, die schon selbst in Brasilien mit den Ärmsten zusammengearbeitet hat und heute Professorin für Soziale Arbeit ist, präsentierte Freires Theorien und Konzepte klar und für fachfremde Menschen gut verständlich.

Paulo Freire gilt als einer der Klassiker in den Bereichen der Erziehungswissenschaft und der Sozialen Arbeit. Er wurde am 19.09.1921 im Nordosten von Brasilien geboren und wuchs in Armut und Hunger auf. Nach seiner Schulzeit studierte Freire Jura, jedoch übte er diesen Beruf nur sehr kurze Zeit aus. Er war der Überzeugung, dass er mit diesem Beruf die „Starken“ unterstützen würde und nicht die Menschen, die am meisten Unterstützung bräuchten. Nach dieser Erkenntnis fokussierte sich Paulo Freire auf die von ihm benannten „Unterdrückten“. Er entwickelte Techniken und Methoden, wie die Alphabetisierung, um den Schwächsten und Ärmsten im Land eine Stimme zu geben.  Durch Freires Bildungsarbeit kam es in den 1960er Jahren in Brasilien zu einem Militärputsch, weshalb er für viele Jahre ins Exil, unter anderem nach Chile und in die Schweiz, musste. Sein Bildungskonzept, das eigenständiges Denken in der breiten Bevölkerung fördern sollte, passte nicht in die Politik der damaligen brasilianischen Regierung. 1980 konnte Freire schließlich wieder nach São Paulo zurückkehren, wo er 17 Jahre später starb.

Ein wichtiger Aspekt  für Freire war, dass er die Lebensrealitäten der Menschen in den Mittelpunkt stellte und schaute, was sie gerade am meisten beschäftigte. Von diesem Ausgangspunkt seiner Schüler*innen setzte er mit seinen Bildungs- und Erziehungsmethoden an; ein Ansatz, mit dem er auch das Globale Lernen mitprägte.

Ein Interview mit Kira Funke:  https://www.waxmann.com/interview_funke/

Funke, Kira: Paulo Freire – Werk, Wirkung und Aktualität. 2010,  Interaktionistischer Konstruktivismus,  Band 9,  1. Auflage, 340  Seiten,  broschiert,  39,90 €,  ISBN 978-3-8309-2355-8 https://www.waxmann.com

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JN

Die siehst du! Die Vögel um dich herum

von Michael Schmolz

Kurz vor der Sommerpause gab es im Welthaus nochmal eine Online-Buchvorstellung: Am 27.07. war Michael Schmolz mit seinem Buch „Die siehst du! Die Vögel um dich herum“ zu Gast; eine Kooperationsveranstaltung von Welthaus Stuttgart e.V. mit den beiden Mitgliedsvereinen EPiZ und BUND. An dem Abend wurde ein hochaktuelles Thema angesprochen: Klimawandel und wie wir bei der Vogelbeobachtung die Auswirkungen des Klimawandels in unserer Umgebung erkennen können.

 

Der Ornithologe Michael Schmolz nahm die Teilnehmer*innen mit auf eine Entdeckungstour und stellte einige Vogelarten vor, die sich in unserer Nachbarschaft befinden. Es wurde klar, dass sich die Veränderungen beim Klima auch auf die Bestände der Vögel auswirken. Zum Beispiel kommt es zu Zuwanderung bzw. Arealausdehnung von Vogelarten, die bisher in Stuttgart als Brutvögel unbekannt waren und die mehrheitlich aus dem Mittelmeergebiet stammen. „Im wahrsten Sinne handelt es sich bei diesen Arten um ‚Gradmesser‘, die anzeigen, dass es sukzessive wärmer wird“, so Michael Schmolz. Profiteure des Klimawandels sind demnach beispielsweise Mittelmeermöwe, Alpensegler und Zaunammer. Im Gegenzug dazu gehen die Bestände anderer Vogelarten deutschlandweit massiv zurück, wie das Rebhuhn, oder drohen komplett auszusterben, wie zum Beispiel der Seggenrohrsänger oder auch der Kampfläufer. Hier wirken sich jedoch mehr die Intensivierung der Landwirtschaft, der immer noch enorme Flächenverbrauch und das Trockenlegen von Feuchtgebieten aus. Dennoch lässt sich der Klimawandel nicht leugnen, wie dieser Abend wieder zeigte.

 

Kosmos Verlag, 2020, 224, ISBN 978-3-440-16527-0

 

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Dein ist das Reich

von Katharina Döbler

Nach dem Gespräch letzten Sonntag fragte sich Katharina, inwieweit ihre Oma mit der Weltgeschichte zu tun hatte. Was sie nicht wusste, dass diese Frage sie zurück in die Zeit des Kolonialismus zurückversetzen wird und sie mit einer Geschichte konfrontiert wird, von der sie nichts ahnte. Die Frage zum Kolonialismus und unser Bezug dazu wird immer mehr ein zentraler Ansatz in unserer Gesellschaft. In dem Buch „Dein ist das Reich“ erzählt Katharina Döbler, wie ihre Familiengeschichte aus dem ländlichen Bayern mit dem Kolonialismus verwoben ist. Das Buch ist in vier Abschnitte aufgeteilt: Aufbruch, Ankunft, Träume und Abschiede. Im ersten Teil stellt die Autorin die vier Hauptcharaktere der Geschichte vor.

Die Autorin verdeutlicht, wie sich die Wege ihrer Großeltern kreuzen und die vier Personen mit der Weltgeschichte des Kolonialismus verbunden sind. Klug und mit feinem Humor zeichnet die Erzählerin des Romans nach, wie die große Weltgeschichte über das kleine Leben der Familie hinwegfegt.

Bis zum 08.05.2022 gibt es im Lindenmuseum eine Werkstattausstellung zum Kolonialismus unter den Namen „Schwieriges Erbe“. Zentrales Thema dieser Ausstellung ist die koloniale Vergangenheit des Museums, die sich in der Sammlung widerspiegelt.

Claassen Verlag, 2021, 480, ISBN: 9783546100090

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EK